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Kazan, Elia
Filmarbeit
Amerika Amerika (Eine Filmerzählung) und zwei Gespräche mit Elia Kazan.
296 Seiten Alexander Verlag Broschur; 29 s/w Abb. Erweiterte Neuausgabe der deutschen Erstausgabe von 1963. Mit einem Vorwort von Fatih Akin ISBN: 978-3-89581-159-3
17.50 €

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»Amerika Amerika« (1963/64) war ursprünglich ein Drehbuch, darum liest sich der – später zu einer Erzählung bearbeitete – Text wie die Beschreibung eines Films. Die intensiven und anschaulichen Bilder machen das Buch zu einem mustergültigen Beispiel für filmisches Erzählen.
Basierend auf seiner eigenen Familiengeschichte erzählt Kazan den abenteuerlichen Weg eines jungen Griechen aus dem Südosten der Türkei nach Amerika, dem »Land der Freiheit«, vor dem Hintergrund der Unterdrückung der griechischen und armenischen Minderheiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Das Buch enthält weiterhin als deutsche Erstveröffentlichungen zwei Gespräche mit Elia Kazan über die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe des Films »America America« (Die Unbezwingbaren), sowie über seinen preisgekrönten Film »On The Waterfront« (Die Faust im Nacken). Kazan beschreibt auf faszinierende Weise seine Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur, insbesondere die Dreharbeiten mit Marlon Brando, und nimmt Stellung zu seinen umstrittenen Aussagen vor dem Komitee für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) in der McCarthy-Ära.
»Für mich ist ein Schriftsteller oder ein Künstler nicht nur ein Geschichtenerzähler, sondern, sofern er einigermaßen gut ist, ein Schöpfer von Mythen. Das Ziel, um das man sich bemühen sollte, ist ein mythisches. Man nimmt die Realität, verankert in ihr die Fakten und erhebt sie auf die Ebene des Mythos.« Elia Kazan
»›America America‹ ist in ›Elia Kazan. Filmarbeit‹ nicht zum ersten Mal auf Deutsch zugänglich. Nicht nur deshalb sind es vor allem die beiden langen Gespräche zwischen dem Regisseur und Jeff Young aus den frühen siebziger Jahren, die das Buch bemerkenswert machen, und von diesen wiederum vor allem das zweite. In ihm spielt »America America« dann keine Rolle mehr, sondern in erster Linie ›Die Faust im Nacken‹ aus dem Jahr 1954.
Es ist ein Gespräch in der Tradition des Truffaut-Hitchcock-Buchs, das sehr detailliert Auskunft gibt über die Arbeitsweise Kazans. Allerdings werden auch die Vorbehalte des Interviewers gegen Kazan wegen seiner Aussage in McCarthys HUAC-Anhörungungen deutlich. So ist es teilweise ein Streitgespräch, und beide sind immer auf der Hut voreinander. Dadurch entsteht eine Lebendigkeit, in der das Gespräch nie in eitle Fachsimpelei abgleitet, sondern immer ganz nah an der Bedeutung einzelner Szenen, Regie- und Besetzungsentscheidungen bleibt.
Vor allem die Passagen über Marlon Brando sind herzerweichend. Natürlich war er die ideale Besetzung des nicht sehr intelligenten Hafenarbeiters Terry Malloy, der sich nach dem Mord an seinem Bruder gegen den Mafiaboss stellt, der die Hafengewerkschaft beherrscht. Es ist eine ambivalente Rolle, ein Held, der sich wandelt.
Wenn Kazan dann beschreibt, wie er mit Objekten umgeht, wie er den Darstellern in schwierigen Szenen für die Hände etwas zu tun gibt, Brando etwa mit einer Stange die Tauben auf dem Dach dirigieren lässt und ihn damit erst einmal unzugänglich macht für ein Gespräch mit seiner Freundin, die ihm gefolgt ist, dann versteht man, warum nicht nur Brando, sondern zahlreiche andere Schauspieler diesem Regisseur große Karrieren verdanken.«
Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Jörg Fauser
Amerika
Jemand drückt mir Kazans
America, America in die Hand.
Irgendwann abends, wenn der Wolfman
Janis Joplin spielt, lese ich
America, America.
Eigentlich hat sich nichts geändert,
geblieben ist der Schnee,
bleiben werden die Frachter,
die Lastträger, das Messer
in der Seitengasse, die Moscheen,
der Blick frühmorgens über die See,
die Wanzen, der Geruch nach Raki,
Opium und Armut.
Das, was man endlich verstanden hat,
bleibt. Alles andere
Utopie.
Ich geh raus, München 74, Winter,
Glatteis, ein Bier nebenan,
Ruhe: nichts
ändert sich.
Ich rufe an.
Es ist spät.
Ihre Stimme: »Ist denn
irgendwas?
»Nein, nichts ist.
Konnte nicht schlafen.«
Der Wind zerrt Zeitungen
über die Kirchenstraße.
»Bis bald.« »Ja.« Ich hänge auf.
Ich liege auf der Matte, immer noch
Janis Joplin, die Toten
in einer Umdrehung von 45.
Und die Schreibmaschine.
Ich spanne einen Bogen ein.
Schnee fällt auf die Lastträger,
die Krüppel, Nebelhörner im Hafen.
Neben mir ein Drink.
Ich trinke.
13. 12. 1974
in: Jörg Fauser, Trotzki, Goethe und das Glück. Gesammelte Gedichte und Songtexte, Jörg-Fauser-Edition IV, Alexander Verlag Berlin 2005
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