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Nogueira, Rui
Kino der Nacht
Gespräche mit Jean-Pierre Melville. Herausgegeben von Robert Fischer.
278 Seiten Alexander Verlag Berlin Mit einem Vorwort von Jean-Pierre Melville, einem Nachwort von Philippe Labro und einer Erinnerung an Melville von Volker Schlöndorff ISBN: 978-3-89581-075-6
9.90 € (alter Preis: 19.90 €)

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R. N.: »Glauben Sie, daß ein Filmemacher, gerade einer wie Hitchcock, ehrlich ist, wenn er erklärt, wie er einige Filmszenen gedreht hat?«
J.-P. M.: »Nein, nie! Er ist wundervoll unaufrichtig. Er sagt sich – und gewiß mit Recht –, daß man die Rezepte für Gerichte nicht ausplaudert, die man besser kocht als die anderen.«
Fern aller Klischees entsteht nach und nach das Porträt eines Mannes, der das gleiche Schicksal teilte wie die meisten seiner Helden: das der Einsamkeit, nicht nur als Künstler, sondern auch als Verantwortlicher für seine Filmstudios an der Rue de Jenner. Sein filmisches Universum gründet sich auf die Leere des Menschen: ein Kino leerer Aktion und formaler Perfektion. Wäre es nicht paradox, so müßte man dieses Œuvre eine filmische Mythologie der Leere nennen.
" Zwitschernd kam der Tod herbei - Schon 1973 ist "Le cinéma selon Melville" in Frankreich erschienen - um so schöner, daß es der Herausgeber Robert Fischer geschafft hat, es nach fast dreißig Jahren im Berliner Alexander Verlag auch auf deutsch zu publizieren. Ursprünglich wollte der portugiesische Filmkritiker Riu Nogueira ein Werkstattgespräch mit Francois Truffaut führen, so wie dieser es einst mit Alfred Hitchcock getan hat. Als sich aber herausstellte, daß die beiden nicht auf der gleichen Wellenlänge lagen, schlug Nogueira als Ersatz Melville vor, der als heimlicher Vater der Nouvelle Vague galt. Von deren Vertretern wie Godard wurde er zwar bewundert, war aber ein strenger "Vater", der längst nicht alles guthieß, was die jungen Wilden mit der Kamera veranstalteten. Aber vor der Folie seiner poetisch-geometrischen Filme lesen sich seine exzentrischen Urteile und sein fast akademischer Umgang mit Hollywood um so aufregender. Melville hat immer gewußt, was er tut, und kann deshalb präzise wie kaum ein anderer über seine Filme und ihre Entstehungsgeschichten reden. Eines jener wunderbaren Details, an denen sich die Phantasie entzünden kann, ist dabei die Geschichte von dem kleinen Vogel, dessen monotones Gezwitscher in "Le samourai" Alain Delons langen Weg in den Tod begleitet - er ist umgekommen, als 1967 Melvilles Studio abbrannte.
Weil das Interview vor Melvilles letzten Film geführt wurde, gibt es ein Nachwort des Regisseurs Philippe Labro, das sich mit "Un flic" befaßt, dazu die wunderbare Erinnerung von Volker Schlöndorff an seine Nächte mit Melville sowie ein Interview, in dem Robert Fischer Rui Nogueira befragt. So ist eine geradezu vorbildliche Ausgabe entstanden, die für all die Jahre entschädigt, die man auf die Übersetzung warten mußte."
Michael Althen in der FAZ vom 3.12.2002
"... Melville ist ein amüsanter, hoch intelligenter, manchmal strenger Gesprächspartner. Obwohl entschlossen, keines seiner Geheimnisse preiszugeben, erfahren wir von ihm dennoch einiges über seine Arbeit, das nicht immer ungetrübte Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, sogar ein wenig von seinem Leben. Aber das war eh gänzlich dem Film geweiht. Das Kino war ihm heilig - seitdem hat diese Kunst leider viel von ihrer Magie verloren.(...) "Kino der Nacht" - ein kluges, unterhaltsames Buch, vom Herausgeber Robert Fischer kompetent mit Anmerkungen versehen. Für Fans des 'film noir' ein Muss. ...
Rezension KinoKino BR-Online
»Lohnt es sich also – und das meine ich ohne jede Koketterie –, über meine eigenen Filme so zu reden, wie ich gern über bestimmte andere Filme rede? Ich weiß es nicht. Erst in fünfzig Jahren wird man das wissen. (...) Der ideale Schöpfer ist für mich derjenige, der ein exemplarisches Werk ersonnen hat, ein Werk, das als Beispiel dient. Er muß frei, mutig und unnachgiebig sein, und er muß gesund sein, denn wie die Wolgaschiffer ihre Lastkähne, so zieht er eine Mannschaft.«
Aus dem Vorwort von J.-P. Melville
Rui Nogueira ist Direktor des Centre d’animation cinématographique (CAC) Voltaire in Genf.
Robert Fischer ist freischaffender Filmpublizist, Autor, Herausgeber, Übersetzer, Redakteur, Filmemacher (u. a. Monsieur Truffaut trifft Mr. Hitchcock, 1999). Bücher über Alfred Hitchcock, Orson Welles, Edward Dmytryk, David Lynch,
François Truffaut u. v. a.
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