»Ross Thomas ist der Meister des politischen Thrillers.« KRIMIWELT
»Nach seinen Romanen sind die Kenner süchtig!« Der Spiegel
Jörg Fauser über Ross Thomas (Teil 1):
Die hohe Kunst des Komplotts (1983)
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Seine Helden heißen Mac McCorkle, Clinton Chartelle, Decatur Lucas, Chubb Dunjee, Ancel Easter, Quincy Durant oder auch einfach Arthur Case Wu – aber dann handelt es sich schon um den Anwärter auf den Thron des Kaisers von China.
Seine Geschichten beginnen mit Sätzen wie: »Er war wahrscheinlich der einzige Mensch, der an diesem Tag in Los Angeles Gamaschen trug.« Oder: »Es begann, wie das Ende der Welt beginnen wird: mit Telefonklingeln um drei Uhr morgens.« Oder: »Der mit Hammerzehen behaftete Freund und
Berater von sechs Präsidenten war natürlich nicht tot. Noch nicht.« Und ihr Autor ist ein Experte für schmutzige Wahlkampftricks, Oldtimer-Autos, Bars, selbstbewußte Frauen, die Mechanismen politischer Entscheidungsprozesse in repräsentativen Demokratien, Katzen, Westafrika, Faustfeuerwaffen, Seven-layer Mint Frapés, smarte Kleidung, einfaches, aber gutes Essen und das Zusammentragen von scheinbar nebensächlichen Einzelheiten, zum Beispiel über die Mafia.
Seine Geschichten führen uns in die Welt von Barbesitzern und Geheimagenten, Wahlkampfmanagern und Gewerkschaftsbossen, Mittelsmännern und Wirtschaftsexperten, von denen einer auch schon mal zu den zwölf Männern in der Welt gehört, die wissen, was Geld ist; wenn sie über die Korrumpierung einer Kleinstadt berichten, dann können wir das anschließend selbst deichseln, und wenn sie uns in die Geheimnisse von Warentermingeschäften einweihen, dann wissen wir, warum wir besser die Finger davon lassen.
Bis heute hat Ross Thomas (auch unter dem Pseudonym Oliver Bleek) knapp 20 Romane geschrieben, die – falls wir die Unsitte der Schubladeneinteilung immer noch nicht über Bord geworfen haben – ihrem Autor den Anspruch auf ein eigenes Krimi-Genre eingetragen haben müßten. Ein Roman von Ross Thomas ist nämlich nicht einfach ein Krimi oder ein Polit-Thriller, sondern – wenn wir davon ausgehen, daß der Teufel damals auf den Hügeln des Galiläerlands dem Herrn Jesus die Welt so gezeigt hat, wie sie wirklich ist, und nicht, wie Idealisten sie gern hätten – eine diabolische Analyse unserer politischen Verhältnisse. Nicht umsonst heißt ein anderer seiner Protagonisten Lucifer Clarence Dye, liegt das amerikanische Copyright einiger seiner Bücher bei einer Firma mit dem ominösen Namen Lucifer Inc.
In einer Welt, in der die Hallelujarufe politischer Heilslehren seltsam kontrastieren mit nuklearen Abschreckungssystemen, haben die Romane von Ross Thomas eine geradezu luziferische Nützlichkeit: Sie immunisieren gegen ideologische Bakterien und möbeln die geistige Durchblutung auf.