»Zwitschernd kam der Tod herbei - Schon 1973 ist Le cinéma selon Melville in Frankreich erschienen - um so schöner, daß es der Herausgeber Robert Fischer geschafft hat, es nach fast dreißig Jahren im Berliner Alexander Verlag auch auf deutsch zu publizieren. Ursprünglich wollte der portugiesische Filmkritiker Riu Nogueira ein Werkstattgespräch mit Francois Truffaut führen, so wie dieser es einst mit Alfred Hitchcock getan hat. Als sich aber herausstellte, daß die beiden nicht auf der gleichen Wellenlänge lagen, schlug Nogueira als Ersatz Melville vor, der als heimlicher Vater der Nouvelle Vague galt. Von deren Vertretern wie Godard wurde er zwar bewundert, war aber ein strenger "Vater", der längst nicht alles guthieß, was die jungen Wilden mit der Kamera veranstalteten. Aber vor der Folie seiner poetisch-geometrischen Filme lesen sich seine exzentrischen Urteile und sein fast akademischer Umgang mit Hollywood um so aufregender. Melville hat immer gewußt, was er tut, und kann deshalb präzise wie kaum ein anderer über seine Filme und ihre Entstehungsgeschichten reden. Eines jener wunderbaren Details, an denen sich die Phantasie entzünden kann, ist dabei die Geschichte von dem kleinen Vogel, dessen monotones Gezwitscher in Le samourai Alain Delons langen Weg in den Tod begleitet - er ist umgekommen, als 1967 Melvilles Studio abbrannte.
Weil das Interview vor Melvilles letzten Film geführt wurde, gibt es ein Nachwort des Regisseurs Philippe Labro, das sich mit Un flic befaßt, dazu die wunderbare Erinnerung von Volker Schlöndorff an seine Nächte mit Melville sowie ein Interview, in dem Robert Fischer Rui Nogueira befragt. So ist eine geradezu vorbildliche Ausgabe entstanden, die für all die Jahre entschädigt, die man auf die Übersetzung warten mußte.«
Michael Althen, FAZ, (03.12.2003)
»Als das Buch 1971 erstmals erschien, gehörte es sofort zu den wie eine Bibel verehrten Büchern der weltweiten Gemeinde von Cineasten. Melville, der Schwierige, Unzugängliche, Unbedingte erzählt. Er spricht ausführlich über die Filme, die er liebt. Melville ist ein amüsanter, hoch intelligenter, manchmal strenger Gesprächspartner. Obwohl entschlossen, keines seiner Geheimnisse preiszugeben, erfahren wir von ihm dennoch einiges über seine Arbeit, das nicht immer ungetrübte Verhältnis zu seinen Mitarbeitern, sogar ein wenig von seinem Leben. Aber das war eh gänzlich dem Film geweiht. Das Kino war ihm heilig - seitdem hat diese Kunst leider viel von ihrer Magie verloren.(...) Kino der Nacht - ein kluges, unterhaltsames Buch, vom Herausgeber Robert Fischer kompetent mit Anmerkungen versehen. Für Fans des 'film noir' ein Muss. ...
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