Das Bild einer Gesellschaft im Umbruch
Nach 1989 erlebte der Osten Deutschlands einen dramatischen wirtschaftlichen Bruch. Innerhalb weniger Jahre gingen in der Industrie fast drei Viertel aller Arbeitsplätze verloren. Auch in den traditionsreichen Industriegebieten Sachsens gab es für einen großen Teil der Betriebe keine Perspektive, weite Landstriche wurden deindustrialisiert. An zahlreichen Orten gelang es jedoch Initiativen von ehemaligen Mitarbeitenden, die Fabrikgebäude und historisch wertvolle Maschinen zu retten. Aus ehemals produzierenden Fabriken wurden Industrie- und Technikmuseen.
Cornelia Munzinger-Brandt und David Brandt richten den Blick auf Menschen, die diese besondere Transformation am eigenen Leib erfahren und mitgestaltet haben. Zuvor als Arbeiter:in, Betriebshandwerker:in oder Ingenieur:in beschäftigt, widmen sie sich nach persönlichen Tiefen, nach Arbeitslosigkeit und unsicherer Perspektive der Bewahrung des industriellen Erbes und halten ein Stück Vergangenheit für die Zukunft fest. Aus der vielstimmigen Erzählung entsteht das Bild einer Gesellschaft im Umbruch.
»Die idee zum Projekt entstand, als wir sächsische industriemuseen besuchten und uns auffiel, dass wir von Personen geführt wurden, die mehr wussten, die persönlicher und emotionaler erzählten als üblicherweise. Dieses ›mehr‹ rührte daher, dass sie die Maschinen, über die sie im Museum sprachen und die sie vorführten, bis zur Wende an ihren arbeitsplätzen bedient hatten.«
Nach Stationen in Dresden (Technische Sammlungen, 2024) und Essen (Zeche Zollverein, 2024/25) wird die Fotoausstellung »INDUSTRIEGESCHICHTEN« vom 29. 3. bis 27. 9. 2026 in der Energiefabrik Knappenrode zu sehen sein.

