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Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin

Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin

Schriften zum Theater

Aus dem Französischen von Dieter Hornig

2001
352 Seiten. 14 Abb.. Fadenheftung. Broschur
ISBN 978-3-89581-063-3
24,90 €
Sonderpreis 9,90 €

Mit fünfzehn Jahren ist Roland Barthes bereits ein begeisterter Theaterbesucher, und als junger Student ist er Mitbegründer einer Theatergruppe an der Sorbonne. Seine Vorliebe für das antike Theater führt ihn 1938 nach Griechenland. 1940 schließt er sein Studium mit einer Diplomarbeit über die griechische Tragödie ab.
1954 sieht er im Rahmen des Internationalen Pariser Theaterfestivals die Mutter Courage des Berliner Ensembles. Barthes ist von der Spielweise des Brechtschen Theaters begeistert. Er interessiert sich immer mehr für die Soziologie des Theaters und wird zu einer treibenden Kraft der Zeitschrift Théâtre populaire, die damals die brechtschen Positionen kompromißlos vertrat. Er verfaßt mehrere Leitartikel, die in dem Band erstmals versammelt sind. Das Buch bringt daneben grundsätzliche Essays, etwa über das antike Theater, Shakespeare und insbesondere über die französische Theateravantgarde. Hinter den Texten steht der Utopiegedanke eines Théâtre populaire, das avancierte Ästhetik, politischen Anspruch und eine Verankerung in allen Bevölkerungsschichten verbindet, das Theater, »das den Menschen vertraut«.

Anfang der 60er Jahre distanziert sich Roland Barthes vom Theater, wendet sich schließlich von der Bühne ab, nachdem er sich jahrelang dafür begeistert hatte. Der einstige Redakteur der Zeitschrift Théâtre populaire reagierte oft völlig entnervt, ja zornig auf Theatervorstellungen, er, der sich zum Fürsprecher Brechts und des Théâtre national de Paris gemacht hatte, konnte für das Theater kein Interesse mehr aufbringen und langweilte sich. Auch über diesen Prozeß legt Barthes Zeugnis in seinen Schriften zum Theater ab.

»Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?«
Roland Barthes

»Keine Frage: Roland Barthes zetert und schwärmt, klagt und träumt nach bester Idealistenart. Das Thema fast sämtlicher Artikel, die erstmals auf deutsch vorliegen, ist das Theater als Fest und Erkenntnis, als Befreiung aus unverschuldeter Unmündigkeit.«
Süddeutsche Zeitung

»Barthes erweist sich in seinen Texten als Meister der kleinen Form. Der band eröffnet durch die Unterschiedlichkeit der Beiträge eine Reihe von Entdeckungen - über Barthes, das Theater und eine unerfüllte Sehnsucht, deren Aktualität nachdenklich macht.«
Neue Zürcher Zeitung

»Diese Publikation ist nicht weniger als eine kleine Sensation. Entstanden ist ein – für jeden an reflektierter Wahrnehmung und an der Formsemantik des Theaters Interessierten – faszinierendes Buch.«
tip

»Welch eine Klarheit! Welch eine distanzierte Betrachtungsweise! Vielleicht ist es ein unfreiwilliger Vorzug dieser Sammlung, daß die Texte zum Teil schon fast ein halbes Jahrhundert alt sind und sich nicht mehr einmischen in die distanzlose Aktualität. Was Barthes vorschwebte, war im Grunde ein Theater der Nachhaltigkeit, auch wenn dieser modische Begriff ihm fremd gewesen sein dürfte. Er verlangte den Schritt von der Zerstreuung zur Gewißheit. Und er war - deswegen verehrte er Brecht - der Fürsprecher eines Spektakulums, das die Welt nicht ausspart zugunsten des Privaten. Er verlangte Klarheit, nicht Attitüde. Und seinen zentralen Satz möchte man heute manchem Theatermacher ins Stammbuch schreiben: In jeder zivilisierten Kultur ist die Intelligenz die Grundvoraussetzung der Emotion«.
Theater Rundschau, (02/2003)

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